Von Timo am 4. März 2010 um 17:10

Auf der Cebit in Hannover sprachen heute Joel Berger (MySpace Deutschland), Jackson Bond (XING), Clemens Riedl, Geschäftsführer (VZnet Netzwerke) und Claus Fesel (DATEV) auf Einladung von Bitcom über “Die Zukunft der sozialen Netzwerke”.

Clemens Riedl sprach viel über Facebook: Das starke Wachstum im letzten Jahr sei durch E-Mail Spam im Namen von angeblichen Nutzer ausgelöst worden, die garkeinen Account bei Facebook hätten:

Angeblich soll sogar meine Mutter dort sein! Doch sie ist nicht bei Facebook.

Nichtmitglieder würden mit angeblichen Einladungen von Freunden und Bekannten auf Facebook gelockt, daher sei Facebook ein nach deutschen Maßstäben “illegales Schattennetzwerk. Das hat nichts mit Privacy oder Vertrauen zu tun – unter deutschem Datenschutz ist so etwas undenkbar.”
Der Erfolg von Facebook komme auch davon, dass man sich nicht an die strengen deutschen Gesetze halte. Deutsche Socialnetworks müssten sich an die deutschen Gesetze halten. Er sagte “Das ist eine klare Benachteiligung unserer Netzwerke. Deutsche Unternehmen werden durch deutsche Gesetze benachteiligt.” Er sehe es daher als “zynisch” an, dass Politiker selbst auf Facebook aktiv sind und gleichzeitig mehr Datenschutz in Netzwerken fordern.

Auf den Vorwurf hin, er würde “Facebook-Bashings” betreiben, sagte er: “Wenn das Bashing ist, dann stehen wir auch dazu!”

Riedl hat recht, wenn er sagt, dass Facebook nicht gerade so arbeitet, dass es mit dem deutschen Recht vereinbar ist (weite Teile der Allgemeinen Geschäftbedingungen sind in Deutschland als Sittenwiedrig und damit nichtig anzusehen, beispielsweise überträgt man nach deutschem Recht nicht übertragbare Rechte an Facebook) und das US-Unternehmen Beispielsweise auch Anzeigen mit den Namen seiner Nutzer schaltet ohne diese um Erlaubnis zu fragen.

Aber nur auf diese Methoden kann man das Wachstum von Facebook nicht schieben. Der Grund dafür liegt viel mehr darin, dass man es Dritten sehr einfach macht, Facebook als Socialmedia-Teil, zum Beispiel in Form einer Seite und der dazugehörigen Widgets sowie Facebook Connect, in die eigene Angebote einzubinden. Das wird erleichtert durch die kostenlosen “Facebook Seiten”, denen VZnet nur “Edelprofile” für 3.000€ pro Monat entgegensetzt.

Neue Funktionen und mehr Kooperationen

Es gab aber nicht nur “Facebook Bashing” auf der Cebit: Riedl kündigte an, dass der Buschfunk in den kommenden Wochen erweitert werden soll. Dabei schein besonders eine bessere Gestaltung auf der Startseite und eine Einbindung in die OpenSocial Apps sinnvoll. Daraus soll im laufe des Jahres die Funktion “Deutschland in Echtzeit” werden, die erstmals das soggenannte “Realtime Web” einer großen Zahl von Nutzern in Deutschland nahebringen soll.

Damit es dann auch viele echtzeit Informationen in den VZs gibt, sind weitere Kooperationen mit Mobilfunkanbietern geplant. Bereits jetzt gibt es bei den vier großen Mobilfunkanbietern eine Datenflatrate, die nur für die mobilen VZs gilt. Die Tarife der Anbieter sind laut Riedl zu teuer: “Die Kids in der Schule können sich das nicht leisten, wir wollen die Tarife demokratisieren”.

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Kommentare
Kommentar von Hans
am 4. März 2010

Schöner Artikel, hat sich nur ein kleiner Rechtschreibfehler eingeschlichen: “der dazugehörigen Widgets sowie Facebook Connet”

“Connet” soll doch “Connect” heißen, oder?

Kommentar von NoiZe-B
am 5. März 2010

Ich muss euch bei dem Artikel ziemlich recht geben Facebook nutzt manchmal schon suspekte Werbemittel…
Das mit dem Buschfunk find ich übrigens eine gute Idee möglicherweise hört es dann auch auf, das der Buschfunk als Chat zweckentfremdet wird…
Nur kommt es mir ein wenig so vor als würde zur Zeit ein einseitiger Wettstreit entfachen…
Zumal ihr euch immer mehr mit anderen Community vergleicht…

Kommentar von Christian
am 5. März 2010

“Das wird erleichtert durch die kostenlosen “Facebook Seiten”, denen VZnet nur “Edelprofile” für 30.000€ pro Monat entgegensetzt.”

Im Internet steht, dass ein Edelprofil nur 3000€ im Monat kostet. Ansonsten find ich den Artikel sehr gut.

Kommentar von Marc
am 8. März 2010

Insgesamt schöner Artikel – Danke!

ich halte nichts davon andere schlecht zu machen. Facebook unterliegt anderen Datenschutzbestimmungen und ich finde auch nicht alles gut,was die machen. Aber eines muss man denen lassen, sie haben es doch verstanden so ziemlich überall in den Medienvertreten zu sein.

Egal, ob im Radio oder TV, Magazinen oder Blogs, so ziemlich überall liest man mehr von Facebook, als von den studivz. Morgens auf dem Weg zur Arbeit im Radio höre ich, wie der Moderator etwas auf seiner Facebookseite abändern möchte. Am WE im TV höre ich eine Moderatorin wie sie eine Facebook Gruppe gründen möchte. Schade ist trotzdem, das Produkte aus dem Ausland fast immer eher angenommen werden, als welche aus dem eigenen Land und so auch nationale Prominente und Politiker eher Facebookseiten haben als z.B. Seiten im VZ.

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