VZlog Jahresrückblick: Oktober 2009

Von Lukas am 28. Dezember 2009 um 19:21

Die erste Hälfte des Oktobers 2009 war für uns alles andere als Spannend, die einzige im Nachhinein noch erwähnenswerte Meldung waren die weiteren Details zu OpenSocial in den VZs. Und der Oktober wäre auch weiter absolut uninteressant geblieben, wären nicht am 16. Oktober bei Netzpolitik.org (und später auch in deutlich geringerer Anzahl) mit einem Bot aus den VZs kopierte Datensätze von über 1 Millionen Profilen aufgetaucht.

Wie am 18. Oktober bekannt wurde, waren die bei Netzpolitik und anderen aufgetauchten Daten aber nur die Spitze des Eisbergs. Wie bekannt wurde, hatte Matthias L. aus der Nähe von Nürnberg bereits im Mai in seinem Blog verkündet, dass er eine Crawler für die VZs geschrieben habe, welcher alle für diesen sichtbare Daten kopiere. Wie er am 16. Oktober in seinem Blog schrieb, haber habe er diesen Datensatz im Internet veröffentlicht und aus diesem würden auch die Daten kommen, welche an verschiedene Medien weitergeleitet worden seien.

Am 17. Oktober hatten VZnet Mitarbeiter Kontakt zu Matthias L., erst über die Kommentare in seinem Blog, später über Instant Messenger und Skype. Diese ließen mit einem Kurier bei Matthias L. eine Kopie der von ihm gesammelten Daten abholen, um seine Behauptung zu Überprüfen. Als diese Daten sich als echt erwiesen, fuhr Matthias L. am 18. Oktober auf kosten von VZnet mit dem Taxi nach Berlin, wo er am späten Abend verhaftet wurde, da er versucht haben soll, VZnet zu erpressen.

Was in den Büros von VZnet geschah, lässt sich nur schwer aus den verschiedenen Aussagen rekonstruieren:

L. soll gegen 18 Uhr in der Backfabrik, wo sich die VZnet-Büros befinden, angekommen sein. Dort habe bereits die Polizei auf ihn gewartet, ohne, dass er etwas davon mitbekommen habe. Nachdem die Beamten festgestellt hatten, dass sich aus den Anschuldigungen der VZnet-Mitarbeiter keine Straftatbestand ergab, zogen diese wieder ab. Während dessen Sprach L. mit VZnet Mitarbeitern über eine Lösung des Konflikts zwischen beiden Parteien, wobei VZnet 20.000€ geboten haben soll. Damit soll Matthias L. nicht einverstanden gewesen sein und habe 80.000€ gefordert. Dies war noch keine Straftat, aber als er damit drohte, die Daten an andere zu verkaufen, wurde aus dieser Verhandlung eine Erpressung, zumindest wenn diese in der Öffentlichkeit bekannten Informationen stimmen. Gegen 2:30 Uhr riefen VZnet Mitarbeiter die Polizei, welche Matthias L. vorläufig festnahm. L. wurde aufgrund seiner Vorstrafen (u.a. Betrug in einem Internetauktionshaus und Drogendelikte) in Untersuchungshaft genommen und ein Richter verhängte am Sonntag einen Haftbefehl gegen ihn.

Als Reaktion auf die gesammelten Daten verbesserte VZnet die Sicherheit für die Plattformen, indem Verbesserungen bei den Captchas und in den leicht automatisierbaren mobilen VZs.

Am 28. Oktober tauchten erneut 100.000 Datensätze von VZ-Nutzern auf, welche diesmal dem Bundesverband der Verbraucherzentralen zugespielt wurden. Am gleichen Tag verteilten die VZs neue URLs für die Nutzerprofile, welche jetzt aus den IDs des betrachtenden und des betrachteten Nutzers besteht. Damit wurden alle alten Profillinks ungültig.

Eine traurige Nachricht erreichte uns am 31. Oktober: Matthias L. hatte sich mit seinem Bettlaken am Fensterkreuz erhängt. In den Kommentaren zu diesem Artikel meldete sich der Vater von Matthias L., welcher schwere vorwürfe gegen VZnet erhob. Auf seinen Wunsch hin, haben wir seine Kommentare wieder entfernt.

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