DER SPIEGEL: VZnet in Erklärungsnot

Von Lukas am 7. November 2009 um 16:25

In der am Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, das für eine nicht ganz unvoreingenommene Einstellung zu StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ bekannt ist, findet sich ein ausführlicher Bericht zum  Suizid von Matthias L., der mehrere Millionen Datensätze von VZ-Nutzern kopiert hatte und mit dem Vorwurf der Erpressung festgenommen wurde.

In der Vorabmeldung wird insbesondere auf die Verhandlungen über die Datensätze eingegangen, die unter anderem über die Kommentare des Blogs von Matthias L. und einen Chat erfolgt sind. Dieser Chat soll dem Spiegel vorliegen:

“du – und andere können bei uns rumhacken wie sie wollen. ich bezahl euch sogar gerne dafür!” [...] Auf die Frage, was L. mit dem Datensammeln erreichen wolle, antwortete der junge Mann: “gar nichts, das war’n just4fun projekt”.

Nach der Frage “also, was ist sache. kooperation oder krieg?” soll er sich für die Kooperation mit VZnet enschieden haben. Daraufhin sei er mit dem Taxi nach Berlin gefahren, die Rechnung (530€) habe VZnet beglichen.

In den VZ-Büros habe er Verhandlungen mit 4 Mitarbeitern gegeben, wobei beide Seiten den Verlauf unterschiedlich darstellen.

Der Erlanger erklärte in seiner Vernehmung, die VZ-Leute hätten ihn gefragt, ob es ihm um Geld oder Ruhm gehe. Er habe spontan die Summe 80.000 Euro genannt.

Daraufhin sei er um 23:35 Uhr festgenommen und in Untersuchungshaft verbracht worden. Da Matthias L. bereits Vorstrafen hatte und auf Bewährung frei war, wurde er entgegen dem sonst üblichen Verfahren nicht freigelassen und verblieb in Untersuchungshaft, wo er sich nach 7 Tagen mit streifen seiner Bettdecke am Fensterkreuz erhängte.

Dazu sagte der VZnet CEO Markus Berger- de León:

Einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Details der Ermittlungsunterlagen (inklusive der Chat-Protokolle) – die aktuell der „Spiegel“ sowie andere Medien zitieren – kommentieren wir nicht. Wir haben die Polizei gerufen, da aus unserer Sicht ein strafrechtlicher Verstoß gegen die Datenschutzgesetze und ein Erpressungsversuch vorlagen. Zu keinem Zeitpunkt haben wir dem Tatverdächtigen ein Zahlungsangebot oder gar Schweigegeldangebot für die entsprechenden Daten oder den Crawler unterbreitet. Fest steht auch, dass der Tatverdächtige nicht bereit war uns den Crawler oder die Daten auszuhändigen. Er drohte vielmehr die Daten weiter zu verbreiten, sofern wir nicht auf seine Forderungen eingehen. Die Beurteilung und Handhabung des Falls lag und liegt aber nicht bei uns, sondern in der Verantwortung der zuständigen Behörden als auch des Strafverteidigers.

Wir berichtete bereits mehrfach über diesen Fall:

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Kommentare
Kommentar von davcid
am 7. November 2009

die sache stinkt, aber gewaltig!

Kommentar von svztalker
am 7. November 2009

Wenn er sich nicht umgebracht hätte, wäre das jetzt wohl nicht so öffentlich und es würde keiner nachhaken.

Kommentar von mario
am 8. November 2009

Der “Datenklau” war erlogen und wie sich so langsam auch herausstellt auch die behauptete Erpressung nicht plausibel. Den Jungen hat man trotzdem mit einer Ausrede und vorverurteilend festgehalten, und bei den Vernehmungen sicher verbal zugesetzt und mit der JVA eingeschüchtert. Das da der Eindruck entsteht, man will ihn mit der Aktion in etwas reinreiten ist ja nachvollziehbar. Und nach zwei Wochen EINZELHAFT(!!) ist der tragische Ausgang schnell erklärt.

Was daran wirklich ankotzt sind ja nicht nur die Verleumdungen durch StuviVZ in den Medien, sondern daß die mit den falschen Beschuldigungen (das ist wirklich eine Straftat) noch davon kommen. Und bei dieser menschenverachtenden Staatsanwaltschaft wird es vermutlich ebenso keine Konsequenzen geben.

Kommentar von svztalker
am 8. November 2009

Warum hat er sich umgebracht, wenn alles Stimmt?
Dann hätte er doch gute Chancen gehabt aus der Sache rauszukommen oder?
Warum hat er sich keinen guten Anwalt geholt, der ihn aus der Einzelhaft boxt?

Kommentar von Shin Davis
am 8. November 2009

ich schließe mich vollkommen “davcid” an. Es muss was geben, was VZnet nicht preisgeben möchte. Warum sonst können die “aus dem Zusammenhang gerissene Details der Ermittlungsunterlagen (inklusive der Chat-Protokolle)” nicht kommentieren?
Wenn das mit VZnet so weiter geht boykottiere ich sämtliche VZ Seiten! ò_ó

Kommentar von Leser
am 9. November 2009

Regt euch doch mal ab – erstens kannte keiner von uns Matthias L. und wissen nicht wie er so drauf war .. siehe Vorstrafen etc. zweitens besteht das VZ Team aus lauter jungen Leuten die mit Sicherheit niemanden so fertig machen… Vielleicht war er unglaublich am Arsch wegen dem anderen Verfahren denn immer das was so gut wie tot geschwiegen wird is doch das interessante … und wie hätte er VZnet mehr schaden können als sich um zu bringen???

Also bitte ich euch seit nicht zu voreilig… wenn VZnet dem jungen Mann was wollte warum ging dann einer der ersten Berichte auf ihrem Blog darüber raus? Nicht alle sind GeldGeil vor allem nicht die Mitarbeiter….

Also warten wir mal ab!

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