In unserer Interviewreihe zum Wahlkampf 2009 antwortet heute die Spitzenkandidatin der Hessischen Grünen Priska Hinz. Sie ist seit über 25 Jahren bei den Grünen aktiv. 2005 zog sie über hessischen Landesliste der Grünen in den Bundestag ein und ist dort bildungs- und forschungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. In der an Intrigen innerhalb der SPD gescheiterten hessischen Landesregierung von Grünen und SPD unter Andrea Ypsilanti sollte sie Kultusministerin werden.
Sie sind bei den hessischen Grünen auf Listenplatz 1 und stehen somit nicht direkt zur Wahl – Wie wichtig ist da der auf ihr Person bezogene Wahlkampf?
Der Spitzenplatz der Landespartei bedeutet auch personenbezogenen Wahlkampf. Bei landesweiten Veranstaltungen, Fernseh- und Radiorunden bin ich genauso gefragt wie für Veranstaltungen von Kreisverbänden. Themen und Inhalte werden von Personen präsentiert und diese werben für eine Partei. Im übrigen bin ich auch Direktkandidatin im Lahn-Dill-Kreis. Auch hier bedeutet es meine Person und meine Themen bekannt zu machen.
Sie sind seit über 25 Jahren bei Bündnis 90 / Die Grünen aktiv und haben schon viele Wahlkämpfe miterlebt – Wie empfinden sie die Veränderung im Wahlkampf durch das Internet? Ist der im Vergleich zu 2005 in diesem Jahr viel wichtigere Wahlkampf im Internet eine Belastung für Sie und andere Kandidaten?
Die Internetpräsenz ist wichtiger geworden, aber es finden noch genauso viele Veranstaltungen, Wahlstände, Diskussionen in Schulen und Aktionen auf Marktplätzen statt wie früher. Persönliche Kontakte sind nach wie vor wichtig und erwünscht. Da der Internetwahlkampf nun noch hinzukommt, ist die Folge natürlich eine größere zeitliche und personelle Belastung als früher. Vor allem weil das Medium Internet sehr schnell ist und die Aktualität der Informationen damit besonders wichtig ist.
Was halten Sie von den Politik Profilen bei MeinVZ? Sind diese ein geeignetes Wahlkampfmittel?
MeinVZ ist sicher ein Einstieg. Allerdings ist auf Profilen wie facebook mehr Kommunikation vorhanden. MeinVZ wirkt eher wie eine klassische Homepage – viele Anfragen oder Meinungsäußerungen erhalte ich darüber nicht.
Sie haben zur Zeit 24 Anhänger bei MeinVZ, was für die nicht prominenten Politiker zur Zeit im Durchschnitt liegt. Bewerben Sie ihre Onlineaktivitäten auch z.B. auf Veranstaltungen oder auf klassischen Wahlkampfmaterialien wie Flyern und Plakaten?
Auf den Plakaten und Flyern werbe ich für meine Homepage. Dort sind alle Online-Aktivitäten platziert. Allerdings finden sich auf der Homepage auch noch viele andere Inhalte, deswegen ist die Bewerbung dieser Seite prioritär.
Denken Sie, dass die Wahlzentrale und die Politiker Profile bei MeinVZ und StudiVZ junge Menschen dazu bringen, am 27. September wählen zu gehen und sich mehr mit Politik zu beschäftigen?
Zumindest erhalten sie vielfältige und interessante Informationen, die sie dazu anregen können, mit Politikerinnen in Kontakt zu treten und kompetente Wahlentscheidungen zu treffen. Sie können es in ihre Alltagsaktivitäten einbinden, da sie sich oft im Netz aufhalten, und müssen nicht auf klassische Formate wie Veranstaltungen zurückgreifen. Das kann auch die Hemmschwelle für Kontaktaufnahme senken.
Wo finden wir Sie noch im Internet?
Neben meiner Website habe ich auch noch Profile bei MeinVZ, Facebook und Wer-Kennt-Wen. Außerdem twittere ich.
Und eine kurze Frage mit kurzer Antwort zum Schluss: Warum sollen unsere Leser am 27. September Grün wählen?
Das ist ganz einfach. Wir brauchen eine Politik, die langfristig denkt und nicht nur Teilprobleme löst.
Wir müssen auf eine neue strategische Wirtschaftspolitik umschalten, die Wirtschaft und Umwelt endlich fest verbinden. Und dazu muss der Blaumann grün werden. Wenn wir zukunftsorientiert wirtschaften, können wir in den nächsten vier Jahren mindestens 1 Million neue Jobs schaffen, zum Beispiel in den Erneuerbaren Energien und der Gebäudesanierung, in der Biolandwirtschaft, bei Bildung und Betreuung sowie Gesundheit und Pflege.
Hinweis des Autors: Bevor jetzt wieder irgendwelche Verschwörungstheoretiker die Kommentare stürmen: Einer unserer Autoren ist Mitglied bei Bündnis 90 / Die Grünen im Lahn-Dill-Kreis, was ich aber nicht wusste, als ich die Befragten ausgewählt habe.
Warum ladet ihr euch die Politiker von Zensurparteien ein?