studiVZ stellt Angebote zur Wahl 2009 vor – mehrblog.net war dabei
Von Anna Gawrilow am 29. April 2009 um 08:00
27 April 2009, Berlin, Saarbrücker Straße 38, ehemalige Backfabrik, Sitz von StudiVZ Ltd., Pressegespräch zur Präsentation der neuen Plattform „Meine Stimme zählt“ für den Online-Wahlkampf. Im Vorraum werden Häppchen und Getränke gereicht, der Pressesprecher von StudiVZ Dirk Hensen stellt sich mir vor und hinterlässt einen freundlichen aber distanzierten Eindruck, wie das bei Pressevertretern wohl üblich ist.
Das sie eine völlig normale Jugendliche im Publikum der Fachpresse sitzen haben, ist den Vorstandsvorsitzenden und Projektleitern sicher nicht bewusst, denn auf der Einladung stand „Exklusive“. Äußerst exklusive scheine ich nicht zu sein aber durch meine geliehene Canon Spiegelreflexkamera, dem Notizblock und meinem sich schnell über das Papier bewegenden Stift gehöre ich doch irgendwie zu den anderen Journalisten, nur dass mein Alter unter dem der anderen liegt.
Die Plattformen von StudiVZ bietet mit über 13,5 Millionen Mitgliedern die perfekte Angriffsfläche für die Gewinnung von Wählern. Auf studiVZ, meinVZ und schülerVZ finden sich annähernd 10 Millionen Wahlberechtigte, von denen 70 Prozent die Erst- und Jungwähler darstellen und gerade die sollen in die politische Meinungsfindung einbezogen werden, also in das Projekt „Meine Stimme zählt“. Es geht dabei um die Platzierung der Politik in einem Jugendnetzwerk und die unmittelbare Nähe, die dadurch erzielt wird.
Seit wenigen Tagen sind die ersten Profile von Politikern und Parteien auf studiVZ und meinVZ frei geschaltet. Sie gestalten sich ähnlich der Profile der Nutzer, jedoch mit mehreren wählbaren Extras, die die Kandidaten und Bundestagsparteien selber optimieren können. Auf den Profilen finden sich Hintergrundinformationen, Biografien von Politikern oder das jeweilige Wahlprogramm. So kann man Klaus Wowereit auch gern mal „gruscheln“, ihm eine Nachricht schicken oder auch eine auf der Pinnwand hinterlassen. Bei verletzenden oder anstößigen Äußerungen liegt es dem Politiker oder der Partei frei, diese zu löschen.
Schon jetzt laden diese mit Videos und Audioaufnahnamen, RSS-Feeds, Newslettern oder Micro-Blogs Mitglieder ein, sich näher zu informieren. Das dabei ein Wert auf neue Webtools gelegt wird, ist sehr modern. Möglicherweise hat man aus dem Wahlkampf von Barack Obama gelernt, der auf ähnliche Weise die Internetforen und Social Networks genutzt hat. Geschadet hat es bekanntlich nicht.
Möchte ein Nutzer einen bestimmten Politiker oder eine bestimmte Partei unterstützen kann er dies unter der Funktion „Finde ich gut“ bemerkbar machen. Das Prinzip ist ähnlich der „Freunde-Funktion“ auf den Nutzerprofilen und gleicht denen der „Edelgruppen“. Der „Gut-Finder“ wird auf der Profilseite der Parteien und Kandidaten gezeigt, ist jedoch für Nicht-Mitglieder der VZ-Plattformen anonym. Auch dies ist eine neue Komponente im Online-Wahlkampf. Alle Profile sind auch für nicht verzeichnete Mitglieder offen, obwohl viele Optionen deaktiviert sind, so auch die Pinnwand.
Einem Freund ein bestimmtes Profil zeigen ist auch hier möglich. Zudem bieten die Gruppen der jeweiligen Politiker und Parteien Interessierten einen Raum für Diskussionen.
Ab Mitte Mai soll die „Wahlzentrale“ als Brennpunkt zur Kampagne präsent auf der Startseite jedes Mitglieds und als eigener Button in der oberen Navigation zu sehen sein. Hier handelt sich um einen Dreh- und Angelpunkt für Politiker- und Parteiprofile, Inhalte von Medienpartnern, wie dem ZDF, Spiegel Online, Zeit online, Cicero, Politikfabrik und weitern Kooperationspartnern. Umfragen und Aktionen spielen in der „Wahlzentrale“ eine große Rolle. Der „Stimmungsbarometer“ erfasst die Positionen in Hinblick auf Ablehnung oder Zustimmung einer aktuellen politischen Frage und ermöglicht es dem Nutzer direkt und anonym die Wahlmeinungen im „Superwahljahr 2009“ zu bestimmen. Mit dem Download-Button „Meine Stimme zählt“ kann jedes Mitglied die Aktion repräsentieren, da dieser im eigenen Profil sichtbar wird. Über eine Deutschland-Weltkarte kann jeder die 299 Wahlkreise und deren Kandidaten einsehen. Dieser Tool wird jedoch erst Mitte August zur Verfügung stehen.
Wer Parteien oder Politiker innerhalb der Suchmaschine ausfindig machen möchte, wird erkennen, dass diese als „Edelgruppe“ „Politik im StudiVZ/MeinVZ“ aufgeführt werden, um deren Prominenz zum Ausdruck zu bringen und den Nutzer vor „Dublikatprofilen“ zu schützen. Die Profile werden nach dem Ausgang der Wahlen im September weiter geführt. Es liegt nur im Ermessen der Politiker und Parteien, ob er diese erhält und als feste Komponente auf den VZ-Plattformen etablieren möchte.
Während der Präsentation wird deutlich, dass StudiVZ diese Aktion als Angebot für die Parteien begreift, erstmals ihren Wahlkampf auch auf der Webbasis zu vollziehen. Das Social Network wird dabei nicht politisch in Erscheinung treten, sondern nur als Plattform zur Vermittlung von jugendlichen Wählern und Bundestagsparteien tätig sein.
Auf die Frage über die rechtsradikalen Parteien in Deutschland und deren Präsenz im Internet ist man sich einig. Nur den im Bundestag vertretenen Parteien ist es möglich ihre Profile auf der Plattform zu erstellen. In Hinblick auf die Landtagswahlen in den neuen Bundesländern scheint das jedoch problematisch, da z.B. in Sachsen derzeitig die NPD vertreten ist. Ob man einer Konfrontation mit der rechtsradikalen Aktivität aus dem Weg gehen möchte oder diese scheut, ist nur zu vermuten.
Ein anderes Problem ergibt sich mit dem Fokus auf SchülerVZ. Dieses wird laut dem Geschäftsführer Markus Berger-de León nicht vordergründig in die Kampagne einbezogen, da über dieses Netzwerk eine Altersgruppe zwischen 12 und 20 Jahren angesprochen wird, die mehrheitlich nicht wahlberechtigt ist. Das gerade hier die Aktivierung des politischen Interesses von großer Wichtigkeit ist, scheint man dabei zu vernachlässigen.
Weitblick beweisen die Mitarbeiter von StudiVZ durch diese Kampagne trotzdem. Ein gut funktionierendes Jugendnetzwerk mit der derzeitigen Politik zu verbinden, erscheint logisch. Innovativ wird es erst durch die Möglichkeit dies auf der Ebene des Web 2.0. zu betreiben. Es steht dem Nutzer ein Portal zur Verfügung, dass man eigenständig nutzen kann, sich aber auch davon fern halten kann. Auf jeden Fall sind die Wahlen 2009 allgegenwärtig und die Kampagne ist unmittelbar mit der Zielperson verbunden. Der Schlüsselpunkt „Wahlzentrale“ und auch die einzelnen Profile sind sehr gut auf die Bedürfnisse der Jugendlichen abgestimmt und wirken dadurch nicht träge oder veraltet, was Politik in manchen Fällen an sich hat. Die Möglichkeit Politik frisch und neu zu gestalten. Wie das Portal ankommen wird, zeigt sich schon bald.
Ich trete aus dem Kühl der ehemaligen Backsteinfabrik und blicke in die strahlende Mittagssonne von Berlin. Schnell lasse ich die Presseversammlung noch einmal Revue passieren. Auch für einen politikfaulen Menschen wie mir, klingt „Meine Stimme zählt!“ einladend. Ist doch eigentlich nicht schlecht, wenn man die Angie mal „gruscheln“ kann.
Für mehrblog.net von Anna Gawrilow
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Kommentare
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am 15. Mai 2009
Anna, der informative und lesenswerte Artikel hat mir sehr gut gefallen! Bitte mehr davon ;-)