SchülerVZ hat eine ganze Reihe sogenannte ”Trauergruppen” gesperrt. Als Grund dafür gibt das Unternehmen an, dass die Nutzer vor sensations suchenden Journalisten geschützt werden sollen – Die Betroffenen sprechen von Zensur.
Stern.de sprach mit dem Gründer einer solchen Gruppe und schreibt dazu:
Einer von ihnen ist der 16-jährige Karsten. Er gründet am Tag des Amoklaufs die Gruppe mit dem Titel “Wir trauern um die Opfer des Amoklaufes im Winnenden”. Im Einleitungstext schreibt der Gymnasiast aus Krefeld außerdem: “Wir wollen hier keine Reporter, die nur auf Namen oder Fotos von Opfern aus sind.” Außerdem bittet er alle, darauf zu achten, “dass die Privatsphäre nicht angetastet wird.” Mehr als 1600 Schüler treten der Gruppe in kurzer Zeit bei. Wenig später wird die Gruppe von SchülerVZ gesperrt. Sie ist damit nicht gelöscht, kann aber bis auf Weiteres nicht benutzt werden.
In einer E-Mail begründet der Support die Sperrung der Gruppen:
Wir haben deine Trauergruppe zum Amoklauf in Winnenden gesperrt. Wir wissen, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.
Leider versuchen Journalisten seit gestern über das Internet an Informationen für Sensationsbeiträge zu kommen.
Um die Opfer und deren Familien zu schützen, sperren wir daher momentan alle Gruppen, die sich mit diesem Thema auseinander setzen.
Die Gründer solcher Gruppen wie Karsten aus dem Beispiel von Stern.de sprechen von Zensur, während StudiVZ diese Maßnahme als notwendig zum schutz der Opfer verteidigt:
Die Verwendung von Mitglieder-Fotos und Informationen aus SchülerVZ zum Zwecke der Berichterstattung ist laut unseren AGB verboten und verletzt die Urheber- und Persönlichkeitsrechte unsere Nutzer. Eine derartige Verwendung empfinden wir als respekt- und geschmacklos gegenüber den Opfern, Angehörigen und Freunden. Um bestmöglichen Opferschutz gewährleisten zu können, werden betroffene Profile – und in diesem außergewöhnlichen Fall auch Gruppen – gesperrt
Eine Lösung dafür währe eine vom Support moderierte Gruppe, wie es sie bereits im kleinen bei Themen wie Magersucht gibt. Allerdings: SchülerVZ als Privatesunternehmen kann keine Trauerarbeit und psychologische Betreuung für über 5 Millionen Jugendliche übernehmen, so dass eine Sperrung der Gruppen eine Sinnvolle und richtige Maßnahme sind um Freunde und Angehörige der Opfer zu schützen, deren Profile bereits am Mittwoch gesperrt wurden.
Mittlerweile scheint SchülerVZ allerdings keine weiteren Gruppen mehr zu sperren: Über die Gruppensuche finden sich unter dem Stichwort “Winnenden” über 300 Gruppen, von denen soweit wir feststellen konnten keine Gesperrt war.
Eines aber zeigt dieser Fall: Betreiber von Sozialennetzwerken müssen sich darüber Gedanken machen wie sie auf solche Ereignisse angemessen reagieren können – die gleiche Ratlosigkeit und die fehlende Planung trat bei Facebook nach dem Amoklauf an der Universität VirginiaTech auch auf, mittlerweile hat das Weltgrößte Socialnetwork allerdings nach eigenen Angaben Strategien, wie sie auf verschiedene Extremsituationen von Terrorismus bis hin zu Krieg und Naturkatastrophen reagieren wollen.
Allerdings sind wir der Meinung, das SchülerVZ beim Löschen der Profile der Opfer und beim sperren von Gruppen zum Schutz der Betroffenen moralisch richtig gehandelt hat, auch wenn es auch daran wie immer starke Kritik geben wird. Wie denkt ihr darüber? Hat SchülerVZ richtig reagiert?
(Von Lukas und Michel – Warum kann ein Artikel in WP nicht mehr als einen Autoren haben?)
Wenn die Jornalisten darüber ihre Informationen ziehen wollen, sollen sie es doch versuchen.
Ich denke nicht das dort irgendewelche sensationellen Beiträge von Nutzern gepostet werden!
SchülerVZ soll sich einfach raushalten und sich nicht einmischen, die Nutzer wissen schon wie mit sowas umzugehen haben, vorallem wenn so ein Warnhinweis in der Gruppenbeschreibung steht. Das ist meine Meinung!
email kann ich überhaupt nicht zustimmen. Denn leider gibt es weiterhin sensationsgeile Zeitungen die auch gerne Fachen verdrehen nur weil es so interessanter klingt. Besonders bei Schülern und in solch einem schlimmen Fall müssen sie geschützt werden. Perfekt wär wirklich eine moderierte Gruppe, aber lieber kurzfristig sperren als das Thema zu ignorieren und somit wegzusehen. Danke für die Schnelle Reaktion!
Natürlich ist es richtig, das SchülerVZ seine Nutzer vor der wilden Pressemeute schützt. Wir haben ja gesehen, wie schnell alle Nutzer aus Winnenden Pinnwandeinträge hatten in denen gefragt wurde, ob sie die Opfer oder den Täter kannten. Die Sachen kamen von Profilen, die erst an diesem Tag angelegt worden waren – Wahrscheinlich wollten alle Private Fotos von den Opfern haben – In manchen Zeitungen waren ja sogar die Verlinkungen von SchülerVZ auf den Fotos.
Absolut richtiger Schritt, der hier gewählt wurde. Man muss dem Witwenschütteln nicht Tür und Tor noch weiter öffnen.
Außerdem bin ich der Meinung, dass man nicht im Internet trauern kann und auch nicht sollte. Trauer überwindet man in der Wirklichkeit, indem man real mit Leidensgenossen spricht – und nicht über virtuelle Gruppen.
Viele Menschen können nicht richtig trauern und ich denke, dass Trauergruppen kein Weg sind, um diese Situation zu verbessern.
Im Allgemeinen finde ich dieses Massenbeitreten in Gruppen wie in solchen Fällen schlicht widerlich. Die meisten Leute haben nichts mit den Opfern zu tun, treten aber der Gruppe bei, um so etwas zu zeigen wie “hey, wir fühlen mit euch”. An den Themen in der Gruppe wird sich nicht beteiligt und wenn, dann ist es irgendein pseudo-psychologisches Geschwafel.
Auch wenn es beinahe wie eine Behelfsausrede klingt, finde ich es klasse, dass hier endlich auch mal die Urheber- und Rechte am eigenen Bild angeführt werden. Die werden im SchülerVZ ebenso mit Füßen getreten.
Der Support sollte nicht aufhören, die “Trauergruppen” zu sperren. Die Betroffenen werdens ihnen noch danken!
Vielleicht wäre wirklich eine offizielle moderierte Trauergruppe von schülerVZ die Lösung.
Dort könnte sich schülerVZ dann ja auch Hilfe von Psychologen holen, die wissen, wie man mit den Schüler umgehen soll.
Die Mitglieder der nicht offiziellen Trauergruppen könnten sie dann ja in die offizielle Gruppe verschieben.
Wären die zwei Nasen nicht für sowas gut?
Dipl. Soz’päd. Sascha Neurohr (User Care),
Dipl. Päd. Maren Gaidies (User Care)
-> http://www.schuelervz.net/l/parents/3/
@svztalker: Wie es schon im Artikel steht: Gruppen mit sehr vielen Mitgliedern lassen sich nicht richtig modrieren. Wenn wir uns die Gruppe zu “Respekt im Netz” anschauen (eine moderierte Gruppe) fällt auf, dass dort die Foren geschlossen wurde, weil zuviel gleichzeitig geschrieben wird.
Stimmt! Wenn schülerVZ das Personal schon hat, warum wenden sie es dann nicht an?
@michel: Für “Respekt im Netz” wurde aber intensiv Werbung gemacht! Und ich denke nicht das so eine trauer Gruppe an die 1,6 Millionen von Respekt im Netz rann kommt.
Und wenn doch, muss schülerVZ einen Weg finden, damit fertig zu werden, finde ich!
Die Anteilnahme zu zensieren finde ich den Falschen weg!
Ich finde es absolut falsch,
a) die Gruppen zu schließen (beziehungsweise dass zwischenzeitlich so vorgegangen wurde) und
b) Benutzerprofile zu sperren/löschen, gerade die der Toten
Man mag sich fragen, wie es zu Punkt b) kommt. Dazu soll es aber nicht kommen, denn zuvor von mir die Gegenfrage: Ist das Profil eines jeden Toten gesperrt? Wenn ich mich recht entsinne, kenne ich mindestens das Profil einer Person, die leider nicht mehr unter uns weilt, und welches dennoch weiterhin aufrufbar ist. Ein Fehler? Nein, keineswegs. Gerade so ist es den Eltern möglich, die Trauer von Freunden deutschland- vielleicht sogar weltweit wahrzunehmen.
Viele Menschen haben ein großes Freundenetzwerk, wie man schon an SVZ erkennen kann. Angenommen, man kennt 300 Menschen. Wie viele bekommen von dem Tod mit und wenden sich an die Verbliebenen? Vielleicht 20, 30, 50? Sicherlich nicht mehr. Was ist mit den übrigen 80%? Dürfen die nicht trauern? Ich finde, gerade so lässt man ihnen die Chance, den Eltern ihr Beileid zu zeigen, sich an den Verstorbenen zu erinnern und Bilder und Beiträge anzusehen.
Ich finde, das ist eine absolut gute Sache. Würde beispielsweise ein Freund, den ich nur aus dem Internet kenne und erst ein oder zwei mal getroffen habe, stirbt, wäre ich sehr froh, wenn ich mir die Bilder dieses Freundes anschauen und sein Profil durchlesen könnte, um mich an seinen Charakter und ihn als Mensch zu erinnern. Sollte mir diese Chance genommen werden? Nein, sollte sie nicht.
Ist das Profil denn auch das original Profil? Ich denke es gibt jetzt auch viele Fakes!
Ich stimme dir zu Stefan! Wenn ich mich in die Lage versetze würde mir das sicher auch trost geben, mir das Profil und alle Bilder anzusehen zu können.
Es wäre eine möglichkeit Gewesen, die Seiten auf Privat zu stellen, so das nur Freunde sie noch ansehen können…
Woher hat schülerVZ eigentlich so schnell die Informationen der Opfer?
Und ist es rechtens, dass sie die Sperren? Ich habe mich sowieso schon immer gefragt, was mit dem schülerVZ-Profil passiert, wenn jemand stirbt: Können dann die Verwandten sagen, dass das Profil gelöscht werden soll? Wie wird festgestellt, ob es wirklich die Verwandten sind?
@Stefan Schmitt: 1. Glaube ich kaum das man Online angemessen trauern kann (gemeinsamem Trauer hat viel mit persönlicher Nähe zutun) – Dazu gibt es genug Wissenschaftliche Veröffentlichungen
2. Verträge der Art wie StudiVZ sie mit seinen Nutzern macht, enden Automatisch mit dem Tod eines Beteiligten, wenn keine abweichende Regelung getroffen wurde. Das bedeutet, wenn StudiVZ davon Kenntnis erlangt, dass ein Profil keiner lebenden Person mehr zuzuordnen ist, müssen sie es löschen (weil sie kein Recht mehr haben die Inhalte zu speichern)
@svztalker: So wie es aussieht, haben sie alle Profile gesperrt, bei denen Schule und Name passen. Die Leute wurden dann angeschrieben um sich zu verifizieren und wenn jemand zurückschreibt und nachweisen kann, dass er wirklich so heißt, wird der Account wieder freigeschaltet.
@David: Die beiden müssen sich glaube ich schon den ganzen Tag mit besorgten Eltern und beleidigten Lehrern rumschlagen.
@ Tino: Das kann ich nur anzweifeln. Die Sprechstundenzeit ist nicht von ungefähr so knapp bemessen.
“Montag 10-12 Uhr
Donnerstag 16-18 Uhr”
Glaubst Du, man hätte nur zwei Tage, á zwei Stunden zur Verfügung gestellt, wenn man sich sicher sein könnte, dass die zwei mit Beschwerden bombardiert werden würden?
@ Stefan Schmitt: Du vergleichst gerade den durch einen presseauffälligen Amoklauf Verstorbenen mit einem bspw. bei einem weniger auffälligen Autounfalltoten. In letzterem Fall werden sich wohl kaum bundesweit Pressestellen für den Fall interessieren, weil es oft nur eine lokale Angelegenheit ist, die innerhalb max. einer Woche aus den Zeitungen verschwunden sein wird.
Das kann man mit einem Amoklauf nicht vergleichen. Dies erregt schon deutlich mehr das öffentliche Interesse – mit ehrlicher Trauer hat das aber herzlich wenig zu tun.
Wer wirklich mit einem Menschen befreundet ist, der wird auch die Möglichkeit haben, nach dessen Tod, den Hinterbliebenen die Trauer mitzuteilen, weil Telefonnummern und/oder Adressen ausgetauscht wurden. Meistens weiß man immerhin, wo der- oder diejenige wohnt, was die Ermittlung von Adressen recht einfach macht. Oder man kennt andere Freunde dieser Person, die einem die Kontaktmöglichkeiten ebenso mitteilen würden.
Im Allgemeinen haben Eltern keinen Zugriff auf die Profile ihrer Kinder. Die Trauerbekundungen würden sie also ohnehin nicht zu Gesicht kriegen. Was auch eventuell ganz in Ordnung so ist, denn wenn ich mir allein ansehe, wie die Pinnwände der Schüler von Winnenden zugespamt wurden, da wird mir einfach schlecht. Einer ist mir aufgefallen, der hat jedes Mal denselben Text unter jedes Profil gesetzt – was hat das bitteschön mit Trauer zu tun? Das ist weder Trauer, noch Anteilnahme, noch sonst irgendwas in der Richtung. Wenn ich nichts mit den Menschen zu tun habe, außer die Gemeinsamkeit, dass wir Schüler sind, dann halte ich es für eher wichtig, sie in Ruhe zu lassen. Von 10.000 Einträgen “boar, is ja schlimm waz da passiert iz!” hat keiner von denen auch nur annähernd das Gefühl, als würde man wirklich hinter ihnen stehen und Mut zusprechen wollen.
Es hört sich vielmehr wie eine Floskel an. Ähnlich, wie wenn jemand fragt “Wie gehts Dir so?” – die meisten interessiert es nicht die Bohne, wie es jemandem geht. Das Wörtchen “so” in dieser Frage ist schon die Spitze des gezeigten Desinteresses. Statt sich einen sinnvolleren Einstieg in einen Dialog zu überlegen, wird auf die Floskel zurückgegriffen. Diese Leute wollen nicht wissen, wie es einem wirklich geht, sie wollen ein “Gut und Dir?” lesen und nicht ausführlich erklärt bekommen, warum es einem gerade überhaupt nicht gut geht.
Es ist gängige Praxis von Journalisten, Daten zu einer Person herauszufinden, die das öffentliche Interesse erregt. “Witwenschütteln” genannt. Ausschließlich mit schlichten Vermutungen gibt sich nicht einmal eine BILD zufrieden. Denn gerade die sind ganz gut darin, Infos zu einer Person herauszufinden. Inwiefern da das Recht und die moralische Würde bewahrt werden ist eine andere Baustelle. Jeder weiß da sicherlich auch so drüber Bescheid, ohne, dass ich es jetzt ausführen muss.
Allerdings: Von Rechts wegen her, darf ohnehin keine Zeitung Screenshots aus dem SchülerVZ veröffentlichen. Denn das geht nur, wenn sich der zuständige Redakteur ein Benutzerkonto im SchülerVZ erstellt hat – was aber überhaupt nicht legal und somit strafbar ist. Stichwörter: AGB und Datenschutzbestimmungen.
Es wäre also äußerst dubios, woher die Leute die Screenshots beziehen. Dass andere Schüler diese zuspielen halte ich für ebenso äußerst fragwürdig.
Du hast keine lokal vorhandenen Fotos eines Freundes? Du musst Dir erst noch sein Profil durchlesen, bevor Du Dich an sein Wesen erinnern kannst? Einen Freund, den Du schon ein- oder zweimal getroffen hast? Entschuldige bitte, aber wenn das so der Fall sein sollte, dann frage ich mich, welchen Stellenwert “Freundschaft” für Dich einnimmt.
Jüngere Menschen haben einen anderen Umgang mit Privatheit und persönlichen Informationen im Internet. Wo sie es als Zensur empfinden, sehe ich den Schutz der Opfer und der Anghörigen und ich bin froh, dass auch darüber eine Diskussion in Gang kommt.
All die Einträge auch bei schüerVZ können natürlich von allen möglichen Leuten gelesen und benutzt werden. In der spontanten Betroffenheit wird manches geschrieben, dessen Auswirkungen nicht abgesehen werden können.
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Ich kann David in allem was er schreibt nur voll und ganz zustimmen!